Heiligabend 1909

Ein schwarzer Tag für die Feuerwehr Sternenfels

Am 24. 12.1909  ereignete sich die wohl schwerste Brandkatastrophe in der Geschichte unserer Wehr. An diesem denkwürdigen Christtag, der im Jahre 1909 auf einen Sonntag fiel, brach nachmittags um 16.00 Uhr im Wohnhaus des Steinhauers Friedrich Streckfuß in der Derdinger Straße ein Brand aus. Die Frau Streckfuß, die mit ihren Kindern gerade schon Weihnachtsvorbereitungen für den Heiligen Abend treffen wollte, bemerkte vom Ausbruch des Brandes nichts. Ein am Wohnhaus vorbeigehender Passant merkte, dass zum Dach bereits Feuer herausloderte und alarmierte sofort die Feuerwehr. Die Bewohner mussten fluchtartig das Haus verlassen. Sie konnten nur retten, was sie auf dem Leib trugen. Die Sturmglocken wurden geläutet und die Feuerwehr war an diesem Sonntag, da alle Männer zu Hause waren, schneller zur Stelle und begann mit der Bekämpfung des Brandes. Das Feuer hatte aber inzwischen das angebaute Haus der Familie Knoll erreicht und über den ganzen Dachstuhl übergegriffen. Zum ersten Male konnten die im Zuge der Verlegung der Wasserleitung für die Feuerwehr angeschafften Hydrantenwagen eingesetzt wer­den. Ferner wurde mit der Druckspritze das Feuer noch bekämpft.
Das Feuer bedrohte schon das Haus der Familie Haaf.

Loeschuebung 1900
Quelle: Loeschuebung der Feuerwehr Ohe

Man war schon dabei, hier das Mobiliar zu bergen. In ununterbrochenem Einsatz kämpfte die Feuerwehr gegen eine sich ausbreitende Feuerkatastrophe. Die Männer an der Druckspritze arbei­teten bis zum Umfallen und wurden immer wieder durch andere ersetzt. Die Löscharbeiten wurden, nachdem der Dachstuhl eingestürzt war, mehr auf die umliegenden Gebäude konzentriert.

Als die Bewohner nach dem furchtbaren Schrecken des Brandausbruches und dem schockartigen Davonlaufen von ihren Verwandten aufgenommen wurden, da merkte man etwas Entsetzliches, etwas, was man nicht auszusprechen wagte: ein kleines 3jähriges Mädchen der Familie Streckfuß war nirgends aufzufinden. Es ging ein Raunen durch die Menge, dass selbst den Feuerwehrmännern das Herz still zu stehen drohte. Es wurde zur Gewissheit, das Kind musste sich noch in dem brennenden Haus befinden. Niemand konnte sich entsinnen, das kleine Kind noch nach dem Brande gesehen zu haben. Die anderen Geschwister hatten es beim Verlassen des Hauses nicht bemerkt.
Das Haus drohte jeden Augenblick vollends in sich zusammenzustürzten. Unter Einsatz ihres eigenen Lebens drangen der Kommandant Zeitter und der Zugführer Klein unter Vorhalten von nassen

Tüchern in das Haus ein. Sie fanden das Kind, das in seiner Todesangst zwischen einem Bett und der Wand eingeklemmt war.
Buchstäblich nach Sekunden, als die beiden Feuerwehrmänner das Haus der Familie Streckfuß verlassen hatten, stürzte es vollends in sich zusammen. Dem Kinde aber, dem sofort jede Hilfe zuteilwurde, konnte nicht mehr geholfen werden. Es starb noch in derselben Nacht an Rauchvergiftung. Nichts ist für einen Feuer­wehrmann schlimmer, als ein Menschenleben nicht retten zu können.

k-florian

Obwohl die Feuerwehrmänner ihr Letztes gaben und den Brand bezwangen, gingen sie an diesem Heiligen Abend nicht froh nach Hause, denn jeder der dabei war, hatte das Gefühl, sein eigenes Kind verloren zu haben. Lange Jahre noch sprach man von diesem Heiligen Abend des Jahres 1909, und wir alle hoffen und wünschen, dass sich so was nicht wiederholen möge.

 

 

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