Aufbruch ins Millenium

Im Jubiläumsjahr 1991 wurde unsere Wehr gleich zweimal kurz hintereinander auf die Probe gestellt. Im selben Anwesen, der Heilbronner Straße 24 brachen innerhalb von nur drei Tagen zwei Brände aus. Der erste Brand verlief, Dank des schnellen Eingreifens eines Nachbars der das Feuer bemerkte, vergleichsweise glimpflich. Ein mit noch heißer Asche befüllter Karton welcher direkt an der Hauswand abgestellt war, fing Feuer und dieses drohte nun durch die Dachverkleidung auf das Haus überzugreifen. Die Eintreffenden Einsatzkräfte mussten nur noch nachlöschen und sicherstellen, dass unter der Dachhaut kein Feuer weiterbrennt.
Doch bereits drei Tage später wurde die Wehr erneut zum gleichen Anwesen gerufen. Der Brandverlauf war beim Eintreffen der Wehr bereits stark fortgeschritten. Der Hauseigentümerin gelang es durch die Hilfe von Anwohnern das kleine Häuschen zu verlassen. Sie erlitt einen leichten Schock und wurde im Kreiskrankenhaus Mühlacker stationär behandelt. Das Wohnhaus indes konnte von der Feuerwehr nicht gehalten werden. Der erste Stock und das Dachgeschoss, indem haufenweise alte Zeitungen lagerten brannten vollständig aus. Es entstand ein Sachschaden von ca. 100.000 DM.

Brand Heilbronner Str 24-1
Brand Wohngebäude Heilbronner Straße 1991

Das 125 – jährige Jubiläum wurde im Juli 1991 gefeiert. Zum Fest konnte das neue LF8/6 an die Einsatzabteilung Sternenfels übergeben und der Erweiterungsbau des DRK eingeweiht werden. Bei den Festlichkeiten wurde unseren Gästen ein vielfältiges Programm geboten, welches auch von den Vereinen in Sternenfels mitgestaltet wurde. Von Freitag bis zum Festausklang am Montag steppte in Sternenfels der Bär und es wurde ein tolles Jubiläumsfest gefeiert.

LF8_Ueberg

Das neue Löschgruppenfahrzeug LF8/6 brachte viele technische Neuerungen mit sich. So stand mit diesem Fahrzeug erstmals ein hydraulischer Rettungssatz zur Verfügung, welcher eine wesentlich effizientere Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen ermöglicht. Einige Kameraden wurden daher zu spezialisierten Lehrgängen „technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen“ entsendet und konnten das neu erlernte Wissen bei den Übungen an andere Kameraden weitergeben.
Im September 1991 wurden Neuwahlen abgehalten. Es wurden gewählt:
Gesamtkommandant: Schlotterbeck, Edgar
Abteilungskommandant: Häffner Gustav
Stellv. Abteilungskommandant: Riekert, Klaus

Schlotterbeck   Häffner G   Riekert_Klaus_2                     Komm. E. Schlotterbeck          Abt. Komm. G. Häffner          Stellv. Abt. Komm. K. Riekert

Kugler_Schlotterbeck
Führungswechsel: Kommandant Kugler übergibt an E. Schlotterbeck

Bedingt durch viele Berufspendler und den Wegfall Landwirtschaftlicher Betriebe kam es in den Jahren vor 1990 dazu, dass immer mehr Sternenfelser Wehrmänner Ihre Arbeitsstelle nicht mehr im Ort hatten. Dadurch wurde es für die Feuerwehr immer schwieriger tagsüber eine genügende Anzahl von Einsatzkräften vorzuhalten. Zu diesem Zweck wurde in den Jahren 1992 und 1993 die „Tagesschleife“ gegründet, welche aus Feuerwehrmännern der Abteilungen Sternenfels und Diefenbach bestand, die im Falle eines Brandes innerhalb weniger Minuten einsatzklar waren. Die Tagesschleife nahm im Jahr 1993 den Probebetrieb auf und wurde zunächst nur zu den Probealarmen vom Sternenfelser Feuerwehrhaus aus Mittwochabends separat alarmiert. Zu den Einsätzen wurde nach wie vor die Gesamtwehr alarmiert, da der Alarmplan in der Leitstelle nicht mehrere Schleifen vorsah. Hier war also die Feuerwehr Sternenfels ihrer Zeit wieder einmal voraus.
Im Sommer 1993 durften die Sternenfelser Floriansjünger im Rahmen eines „Sternenfels Tages“ auf der Internationalen Gartenbauausstellung in Stuttgart eine historische Schauübung mit der Handdruckstoßfeuerspritze aus dem Jahr 1864 durchführen. Die gekonnt durchgeführte Übung, wie auch die historischen Uniformen trugen zum hervorragenden Gesamtbild bei, welches die Gemeinde Sternenfels an diesem Tag in Stuttgart hinterließ.

Brand_Schloßbergstr_Wagner
Wohnhausbrand Schlossbergstraße 1993

Zu einem der schlimmsten Brände in der Ortschaft Sternenfels innerhalb der letzten 25 Jahren kam es im Dezember des Jahres 1993. Das Wohngebäude Schlossbergstraße 23/2 brannte dabei völlig aus.
Der 29 – jährige Sohn der Familie wollte sich gegen 05:00 Uhr auf den Weg zur Arbeit machen, als er vom Speicher her ein „seltsames Knistern“ hörte. Als er die Türe öffnete schlugen ihm bereits Flammen entgegen. Schnell weckte er seine Eltern und verständigte die Feuerwehr.
Diese konnte mit dem ersten Fahrzeug bereits drei Minuten nach dem Alarm ausrücken. Zu diesem Zeitpunkt brannte der Dachstuhl und die an das Wohnhaus angebaute Scheune jedoch bereits in voller Ausdehnung. Der Dachstuhl des Wohnhauses konnte von der Feuerwehr gelöscht und ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Häuser verhindert werden. Die Scheune war jedoch nicht zu halten. Lediglich zwei Pferde konnten noch gerettet werden bevor ein weiteres Betreten der Brandstelle zu gefährlich wurde. Zahlreiche Kleintiere fanden bei diesem Brand den Tod. Die beiden Pferde konnten in einem Stall eines Sternenfelser Privatmannes untergebracht werden.
Die Löscharbeiten gestalteten sich aufgrund der Witterung besonders schwierig, da der Brandrauch nicht nach oben stieg, sondern nach unten gedrückt wurde. So mussten selbst die Außenlöscharbeiten unter Atemschutz durchgeführt werden. Die Temperaturen um den Gefrierpunkt ließen auch das Löschwasser teilweise anfrieren, so dass Wege und Straßen oft gefährlich glatt waren.
Auch wenn der Brand am Wohnhaus gelöscht werden konnte so wurde das Haus leider unbewohnbar. Die betroffene Familie konnte von der Gemeinde in der Hausmeisterwohnung des Bürgersaals untergebracht werden.
Über 50 Feuerwehrmänner aus beiden Ortsteilen und der Stützpunktfeuerwehr Knittlingen waren mit 9 Fahrzeugen im Einsatz. Erst nach mehreren Stunden konnte der Brand unter Kontrolle gebracht werden. Die Nachlösch- und Aufräumarbeiten zogen sich bis in die Abendstunden.

Vorbildliche Nachbarschaftshilfe rettete am Donnerstag 28.07.1994 vermutlich einer alleinerziehenden Mutter und ihrem 3-jährigen Sohn das Leben.
Als die Mutter, die sich nachmittags kurz hingelegt hatte erwachte, stand bereits das komplette Zimmer in Flammen. Die Mutter wickelte Ihren Sohn in ein feuchtes Handtuch und floh mit Ihm durch ein Dachfenster auf das Dach, wo sie laut um Hilfe rief. Sofort danach eilten die Nachbarn mit Leitern herbei und ermöglichten der Mutter den Abstieg. Sowohl die Mutter als auch der Sohn wurden zur Überwachung ins Krankenhaus Mühlacker verbracht, wurden jedoch nicht schwer verletzt.
Die erst spät alarmierte Feuerwehr konnte den Brand im Dachstuhl zwar löschen, dennoch wurde dieser komplett ein Opfer der Flammen.

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Um das gesellschaftliche Leben in der Dorfgemeinschaft zu bereichern, wurde im November 1994 beschlossen, am 30.04.1995 einen Maibaum in der Ortsmitte aufzustellen. Dieser Beschluss wurde mittlerweile zu einer schönen Tradition der sich die Feuerwehrfrauen und – männer der Einsatzabteilung Sternenfels immer gerne stellen.

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In einer Ausschusssitzung Anfang 1995 wurde erneut die schlechte personelle Situation tagsüber in beiden Abteilungen diskutiert. Ein neuer möglicher Ansatzpunkt dieser zu begegnen war die Aufnahme von Frauen in die Feuerwehr. Was vom Gesetzgeber her bereits funktionierte, war in den Feuerwehren zu dieser Zeit eher die Ausnahme. Die sanitären Einrichtungen und die Möglichkeiten zur Errichtung separater Umkleiden wurde eingehend diskutiert und vor Ort begutachtet. In einer weiteren Ausschusssitzung wurde beschlossen, dass ab sofort Frauen in die Feuerwehr aufgenommen werden. Diese erhielten zunächst die Funkausbildung und sollten im Einsatzfall die Funkfeststation besetzen.
Die in die Jahre gekommene Funkfeststation wurde durch ein moderneres Modell ersetzt.
Ebenfalls im Jahr 1995 wurde ein Fahrzeugausschuss gegründet, um die Ersatzbeschaffung des TLF 8 (Unimog) der Abteilung Diefenbach zu planen. Kamerad Günter Steinle bestand den Kreisausbilderlehrgang und wurde Kreisausbilder für Maschinisten.
Eine Gruppe aus Sternenfels konnte erstmals die Leistungsübung für das Leistungsabzeichen in Gold erfolgreich ablegen.

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Gruppe LAZ Gold 1995

An der Hauptversammlung 1996 fanden Neuwahlen statt, da der seitherige Kommandant Edgar Schlotterbeck das Amt aus zeitlichen Gründen nicht mehr begleiten konnte. Von den Kameraden wurde Günter Steinle als neuer Gesamtkommandant gewählt.

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Führungswechsel – Gesamtkommandant E. Schlotterbeck übergibt an G. Steinle.

Kurz vor dem Jahreswechsel, am Sonntag 29.12.1996 kam es in der Schulwiesenstraße zu einem Wohnhausbrand. Ein defektes Elektrogerät löste in der Waschküche des Hauses im Keller, das Schadenfeuer aus. Das Feuer konnte sich in das Treppenhaus und von dort auf das gesamte zweistöckige Wohnhaus ausbreiten. Ein vom Eigentümer gestarteter Löschversuch schlug fehl. Die Feuerwehrmänner beider Einsatzabteilungen hatten auf der Anfahrt und beim Einsatz mit spiegelglatten Straßen zu kämpfen. Auch das Löschwasser in den Schläuchen gefror bei zweistelligen Minusgraden schnell. Kameraden welche nicht in den Einsatz gebunden waren, sorgten daher mit Streusalz für eine einigermaßen zugängliche Einsatzstelle.

Brand Schulwiesenstr. 1996
Brand Schulwiesenstr. 1996

Das gesamte Wohnhaus wurde ein Raub der Flammen und konnte nach dem Ablöschen durch die Feuerwehr nicht mehr bewohnt werden. Der Hauseigentümer und seine erwachsene Tochter mussten mit Rauchvergiftung in das Krankenhaus Mühlacker eingeliefert werden.

Kurioses passierte im Mai 1997. Ein „eigentlich ganz normaler Verkehrsunfall“ mit zwei verletzten Personen ereignete sich auf der Landstraße zwischen Leonbronn und Sternenfels. Eine im Auto eingeklemmte Person musste mit dem hydraulischen Rettungsgerät befreit werden. Den im Einsatz befindlichen Feuerwehrleuten fiel zu diesem Zeitpunkt das rege Medieninteresse an diesem Unfall auf. Bereits der vierte Pressemitarbeiter fotografierte und interviewte….  Die Feuerwehr Sternenfels hat es in die BILD – Zeitung geschafft. Auf Seite 6! Hier der Beweis:

Artikel Bildzeitung
Artikel Bildzeitung

Im Juni 1997 fanden vom gebildeten Fahrzeugausschuss erste Gespräche mit Kreisbrandmeister Fürtsch statt. Anstatt des geländegängigen Einsatzfahrzeuges für die Abteilung Diefenbach, soll ein größeres Löschfahrzeug für die Abteilung Sternenfels beschaffet werden. Dies wurde im Hinblick auf die unzureichende Wasserversorgung im Industriegebiet Sternenfels immer notwendiger.
Im November 1997 wurden die Floriansjünger beider Abteilungen zu einem PKW Brand gerufen. Der PKW war in der Garage abgestellt worden, als ein Hausbewohner Brandgeruch bemerkte. Die sofort alarmierte Feuerwehr konnte schlimmeres verhindern und ein Ausbreiten der Flammen auf die Garage stoppen. Der Brand wurde vermutlich durch einen Kurzschluss im Motorraum ausgelöst.

Ende 1997 wurde dann in einer gemeinsamen Ausschusssitzung beschlossen ein LF 16/12 für die Abteilung Sternenfels zu beschaffen. Das dort stationierte kleinere LF 8/6 soll dann als Ersatz für das TLF 8 (Unimog) den Standort Diefenbach erhalten.
1998 nahm eine Gruppe erstmals das Österreichische Leistungsabzeichen in Bronze in Empfang, nachdem sie die Leistungsübung im Niederösterreichischen Ternitz mit Erfolg abgelegt hatten. Die Idee dazu kam durch unsere langjährigen und freundschaftlichen Beziehungen zu unseren Freunden der Trachtenkapelle Nöhagen in Österreich.
Durch schnelles Eingreifen unserer beiden Einsatzabteilungen gelang es uns ebenfalls 1998 gerade noch, einen Großbrand im Gasthaus Lamm, in der Ortsmitte von Sternenfels zu verhindern.

Brand Lamm 98-2

1999 feierten wir vom 03.09. bis 05.09 mit einem Fest für die Bevölkerung die Indienststellung des neuen Löschgruppenfahrzeugs LF 16/12. Gleichzeitig wurde das         LF 8/6 an die Einsatzabteilung Diefenbach übergeben.

1999-1

Im Jahr 2000 beschloss der Ausschuss, dass ein gemeinsamer Wandertag der beiden Einsatzabteilungen Diefenbach und Sternenfels durchgeführt werden soll. Erstmals befasste sich auch ein extra gebildeter Unterausschuss mit der gezielten Werbung neuer Frauen und Männer für den Feuerwehrdienst, um der Thematik der zurückgehenden Mitgliederzahlen wirksam begegnen zu können.

Im Juni reiste die Sternenfelser Wehr nach Augsburg und besuchte den Deutschen Feuerwehrtag und die Messe Interschutz. Als teilnehmerstärkste Wehr des Enzkreises nahmen wir auch am Umzug durch die Augsburger Innenstadt teil.

Augsburg
Deutscher Feuerwehrtag in Augsburg 2000

 

Teil 7: Ruhiges Fahrwasser – die 80’er Teil 9: Die Feuerwehr heute – modern, schlagkräftig, traditionell!
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